Sexualleben

Prostatakrebs und seine Behandlung können Ihr Sexualleben beeinflussen – was Sie tun können, um die auftretenden Hindernisse zu überwinden…

Gegen Prostatakrebs: Veränderungen im sexuellen Befinden

Die meisten Therapien bei Prostatakrebs bergen ein Risiko für Nebenwirkungen, die Ihr sexuelles Befinden beeinflussen könnten. Hierbei spielen Alter und das Sexualleben vor Therapiebeginn eine wichtige Rolle. Gut informiert zu sein gehört auch dazu. Fragen Sie Ihren Arzt, welche Möglichkeiten sich Ihnen bieten und welche Vorteile und welche Nebenwirkungen damit verbunden sind. Besprechen Sie diese – wenn möglich – auch mit Ihrem Partner. Bei Bedenken oder Fragen könnten Sie auch einen spezialisierten Berater oder Therapeuten kontaktieren. Und vergessen Sie nicht: Es kann wirklich hilfreich sein, sich mit Selbsthilfegruppe zu treffen und mit anderen Paaren zu sprechen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden!


Operation

Die „radikale Prostatektomie“ ist eine gängige Operation zur Behandlung des Prostatakrebses. Ziel der radikalen Prostatektomie ist die Heilung der Erkrankung. Bei dieser Operation wird die gesamte Prostata samt Samenblase entfernt. Die Operation kann die Überlebenschance erhöhen, ist aber mit vielen möglichen Nebenwirkungen verbunden, die Einfluss auf Ihr Sexualleben haben können. Dazu zählen Erektionsstörungen, Ejakulations- und Zeugungsprobleme.1 Insbesondere bei jüngeren Männern werden diese Nebenwirkungen in der Therapieentscheidung berücksichtigt.

Nach einer radikalen Prostatektomie können Sie keine Samenflüssigkeit mehr produzieren. Trotzdem sind Sie noch zu einem so genannten „trockenen Orgasmus“ in der Lage. Ihre Hoden bilden weiterhin Spermien. Da aber die Samenblase bei der Operation mit entfernt wurde, können die Spermazellen nicht freigesetzt werden und werden vom Körper wieder aufgenommen.

Durch die Operation könnten auch Nerven geschädigt werden, so dass es zu Erektionsproblemen (Impotenz) kommt. Fragen Sie Ihren Chirurgen nach „Nerven erhaltender Chirurgie“ – diese kann das Risiko reduzieren, Nerven zu schädigen, die an der Erektion beteiligt sind. Diese Möglichkeit besteht jedoch nur dann, wenn der Tumor noch nicht zu stark gestreut hat. Bei vielen Männern, die wegen Prostatakrebs operiert werden, treten die Nebenwirkungen schon kurz nach der Behandlung auf. Männer, die sexuell aktiv waren und vor der Behandlung stabile Erektionen hatten, werden diese mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auch nach der Operation haben können. Weitere wichtige Faktoren sind das Alter des Patienten und die Erfahrung des Chirurgen.

In einigen Fällen ist auch das Entfernen der Hoden angezeigt, um die Produktion von Testosteron zu unterdrücken. Die Entfernung beider Hoden ist endgültig und bedeutet, keine Erektion haben zu können und nur ein geringes sexuelles Verlangen zu haben.
nach oben


Chemotherapie

Die Chemotherapie wirkt sich bei jedem unterschiedlich aus. Einige bemerken keine Auswirkung auf ihr Sexualleben, andere fühlen sich müde, erschöpft und ängstlich, was wiederum die Einstellung zum Sex beeinflusst.
nach oben


Strahlentherapie

Die Strahlentherapie verursacht häufig Nebenwirkungen, die das Sexualleben des Patienten beeinflussen können, wie zum Beispiel der Verlust des sexuellen Interesses, Schmerzen bei der Ejakulation und Impotenz. Die Symptome, die durch eine Strahlenbehandlung hervorgerufen werden, treten in der Regel erst mehrere Monate nach Behandlungsbeginn auf.
nach oben


Hormontherapie

Ziel der Hormontherapien ist es, den Testosteronspiegel im Blut auf das gleiche Niveau zu senken, das bei einer chirurgischen Hodenentfernung erzielt wird – allerdings ohne die schmerzhaften und anhaltenden physischen und psychischen Auswirkungen. Dennoch können auch hier Nebenwirkungen auftreten, wie zum Beispiel geringeres Interesse an Sex, Impotenz, Hitzewallungen und Schwitzen, empfindliche und anschwellende Brüste sowie Lust- und Antriebslosigkeit. Einige Hormontherapien bewirken sogar einen Anstieg des Testosteronwertes, bevor er wieder abfällt (akuter Anstieg).2  Dies könnte die Symptome des Prostatakrebses tatsächlich zunächst verschlimmern, bevor eine Besserung eintritt. Langzeitauswirkungen dieses Anstieges sind nicht bekannt. Es gibt auch Medikamente, die keinen anfänglichen Testosteronanstieg bewirken.
nach oben



Psychische Auswirkung Patientenberichte


QUELLEN:

  1. Goldstraw MA, Kirby RS. Prostate cancer treatment. The case for radical prostatectomy. Ann R Coll Surg Engl 2006;88(5):439–42.
  2. Heidenreich A, Aus G, Abbou CC, Bolla M, Joniau S, Matveev V, Schmid HP, Zattoni F. Guidelines on prostate cancer. European Association of Urology, 2007.