Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt viele Möglichkeiten, die Ihnen helfen, die Erkrankung zu bekämpfen.



Aktive Überwachung

Viele Männer mit Prostatakrebs werden erfolgreich behandelt. Das Behandlungsziel des früh erkannten Prostatakrebses ist die Heilung der Erkrankung.1 Wenn der Krebs langsam wächst und sich keine weiteren Symptome zeigen, könnte sich Ihr Arzt dafür entscheiden, dass eine Therapie nicht sofort begonnen werden muss. Ihr Arzt wird den Tumor zunächst überwachen und erst dann mit einer Behandlung beginnen, wenn er die Notwendigkeit darin sieht. Für viele Patienten ist dies die Standard-Strategie.2
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Radikale Prostatektomie

Ein chirurgischer Eingriff, um Prostata, Samenblase und häufig in der Umgebung liegende Lymphknoten zu entfernen. Es handelt sich um eine größere Operation mit häufig auftretenden Nebenwirkungen wie beispielsweise erektiler Dysfunktion.1
Im Anschluss wird die Harnblase wieder mit der Harnröhre verbunden, so dass eine Blasenentleerung auf normalem Wege möglich ist. Bei 5-10 Prozent der Patienten kommt es jedoch zu einem bleibenden Verlust der Blasenkontrolle. nach oben


Orchiektomie

Ein chirurgischer Eingriff, bei dem beide Hoden entfernt werden, um den Testosteronspiegel zu senken. Das Wachstum des Prostatakrebses hängt vom Testosteron ab – eine Reduktion des Testosteronspiegels kann dazu führen, dass Krebszellen langsamer wachsen, aufhören zu wachsen oder sich sogar die Tumorgröße reduziert.3 Die Operationsart ist heute selten; um den Testosteronspiegel zu senken, werden stattdessen eher Hormontherapien eingesetzt.
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Hormontherapie

Hormontherapien, wie zum Beispiel LHRH-Agonisten (Luteinisierende Releasing Hormon-Agonisten), senken den Testosteronspiegel im Blut, um das Krebswachstum zu verlangsamen oder zu stoppen. Verschiedene Arten der Hormontherapie zielen darauf, entweder die Bildung von Testosteron in den Hoden zu hemmen, oder das produzierte Testosteron daran zu hindern, die Prostatakrebszelle zu erreichen.

Es können einige Nebenwirkungen auftreten, wie beispielsweise geringeres Interesse an Sex, Impotenz, Hitzewallungen und Schwitzen, Brustempfindlichkeit, Lustlosigkeit oder eine geringe körperliche Leistungsfähigkeit. Durch die komplexe Art dieser Behandlung, kann es vorkommen, dass es bei Patienten während einer Hormontherapie zunächst zu einem Anstieg des Testosteronspiegels kommt, bevor dieser dann abfällt. Um vor diesem Anstieg zu schützen, ist eine weitere Behandlung mit Antiandrogenen möglich.

Die neueste Form der Hormontherapie ist die Behandlung mit einem so genannten GnRH-Blocker - diese zielen ebenfalls auf einen Entzug des Testosterons ab, um so das Wachstum des hormonsensitiven Prostatakarzinoms zu bremsen. Bei dieser neuen Hormontherapie werden die Testosteronwerte schnell gesenkt ohne einen Anstieg dieser Werte zu Beginn der Therapie zu verursachen.
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Strahlentherapie

Der Tumor wird in der Regel von außen bestrahlt. Alternativ kann man radioaktive Strahlenquellen auch direkt in den Tumor einbringen (Brachytherapie), indem Kapseln mit radioaktiven Substanzen direkt in den Tumor eingepflanzt werden. Die Strahlentherapie wird eingesetzt, um den Patienten zu heilen. Sie spielt aber auch in fast allen Stadien des Prostatakrebses eine Rolle und kann mit Hormontherapien kombiniert werden.

Eine niedrig-dosierte Strahlentherapie verursacht minimale oder gar keine Nebenwirkungen. Höhere Dosen könnten verschiedene Nebenwirkungen verursachen, die für gewöhnlich auf die Körperregion, die behandelt wird, beschränkt sind. Mögliche Nebenwirkungen sind Hautreaktionen, Geschwülste, Unfruchtbarkeit, Müdigkeit, Fibrose, Haarausfall und trockene Haut.
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Mit Strahlentherapie Tumorstammzellen bekämpfen

Nach dem aktuellen Forschungsstand sind nicht alle Krebszellen für das Wachstum eines Tumors verantwortlich. Es sind die Tumorstammzellen, die die Bildung von Metastasen und die Entstehung eines Rezidivs (Wiedererkrankung) nach einer Behandlung auslösen. Der Hintergrund: In Tumoren sind sogenannte Tumorstammzellen vorhanden. Diese Zellen besitzen die typischen Eigenschaften von Stammzellen: Sie erneuern sich selbst und können sich zu einer beliebigen Zelle – also auch zu einer Krebszelle – ausbilden. Wissenschaftler vermuten zudem, dass die Tumorstammzellen gegen etliche Therapien resistent und deshalb für Rückfälle und Metastasen verantwortlich sind. Dabei steigt die Gefahr eines Rezidivs mit der Höhe der Stammzellenanzahl.

Einen Ausweg bietet möglicherweise die Strahlentherapie. Denn die Tumorstammzellen könnten durch eine gezielte und exakt dosierte Strahlendosis ausgeschaltet werden. Je höher die Anzahl der Tumorstammzellen, umso höher die benötigte Strahlendosis. Um die Dosis so genau einzustellen, muss die Anzahl der Tumorstammzellen bekannt sein. Eine vielversprechende Technik, um dies herauszufinden, ist das Anfärben von Gewebeschnitten eines Tumors, der zuvor operativ entfernt wurde. Spezielle Moleküle auf der Oberfläche des Tumors, wie das CD44-Molekül, werden auf diese Weise markiert und können unter dem Mikroskop ausgezählt werden. Kennt man die Anzahl der Tumorstammzellen, lässt sich der Strahlenangriff auf die Tumorzellen optimal abstimmen. Trotz des vielversprechenden Ansatzes bleibt die Chemotherapie auch weiterhin im Einsatz. Chemotherapie und Strahlentherapie sollen sich sinnvoll ergänzen. Einen weiteren Vorteil bietet die genaue Kenntnis der Tumorstammzellen. Hierdurch wäre es auch möglich, Substanzen einzusetzen, die die Tumorzellen für die Strahlung sensibilisieren. Zudem könnte man Testsysteme für mögliche neue Krebsmedikamente entwickeln.

Quellen:
Gerlinde Fax, Strahlen gegen den Krebs, Welt am Sonntag vom 06.03.2011
Strahlenangriff auf Tumorzellen, Deutsche Apotheker Zeitung, 2011; 151: 1178.
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Chemotherapie

Die Chemotherapie gehört zu den palliativen Behandlungsmöglichkeiten, die die Schmerzlinderung in den Vordergrund stellt. Sie wird bei Patienten mit hormonresistentem Prostatakrebs angewendet, wenn andere Therapien versagt haben. Die Chemotherapie hat für gewöhnlich einen hohen Toxizitätsgrad und kann mit vielen möglichen Nebenwirkungen wie zum Beispiel Schmerz, Schwindel und Übelkeit, Diarrhöe oder Verstopfung, Anämie, Mangelernährung, Haarausfall, Gedächtnisverlust, Zusammenbruch des Immunsystems, Gewichtsverlust oder –zunahme und erhöhte Blutungsneigung verbunden sein.
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Sport gegen Prostatakrebs

Amerikanische Wissenschaftler untersuchten die sportliche Aktivität von 2 705 Männern, die an Prostatakrebs ohne Metastasen erkrankt waren. Der Krankheitsverlauf wurde über einen Zeitraum von 18 Jahren beobachtet. Insgesamt war bei den Sport treibenden Patienten die Wahrscheinlichkeit zu sterben niedriger als bei den unsportlichen, so das Ergebnis der Studie. Die Sterbewahrscheinlichkeit umfasste hierbei sowohl das Risiko, direkt an Prostatakrebs zu sterben als auch die allgemeine Sterbewahrscheinlichkeit. Hierbei spielte es keine Rolle, ob die Männer moderat oder intensiv Sport trieben. Den Daten zufolge zeigte bereits leichte körperliche Bewegung eine positive Wirkung. 90 Minuten Spazierengehen pro Woche erhöhte die allgemeine Überlebenswahrscheinlichkeit um 46 %. Männer, die länger als drei Stunden pro Woche intensiv Sport trieben, hatten sogar ein fast um die Hälfte verringertes allgemeines Sterberisiko. Bei Patienten, die mehr als drei Stunden pro Woche intensiv Sport trieben, war das Risiko, an der Krebserkrankung zu sterben, um 61 % geringer als bei denjenigen, die sich weniger als eine Stunde pro Woche ausdauernd sportlich betätigten. Männer, die vor und nach der Prostatakrebsdiagnose intensiv Sport machten, wiesen das niedrigste Risiko auf.

Fazit: Bei Männern mit Prostatakrebs verringert körperliche Aktivität sowohl das allgemeine Sterberisiko als auch das Risiko, direkt an der Erkrankung zu sterben. Gemäßigter Sport wie beispielsweise Fahrradfahren, Tennis, Joggen oder Schwimmen mehr als drei Stunden pro Woche verbessert deutlich die Überlebenswahrscheinlichkeit.

Quellen:
Stacey A. Kenfield, Physical Activity and Survival After Prostate Cancer Diagnosis in the Health Professionals Follow-Up Study, Journal of Clinical Oncology, 2011:726-732.
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Reise in die Zukunft – „Nautilos“, die Laserwaffe gegen Krebszellen und Viren

In rund 25 Jahren könnte die Vision des Physikers Christian Karnutsch von der Fakultät Elektro- und Informationstechnik an der Hochschule Karlsruhe Wirklichkeit werden. Der Wissenschaftler und sein Team arbeiten an der Entwicklung eines Mini-U-Bootes, das zur Krebstherapie in die menschliche Blutbahn eingesetzt werden soll. Das Mini-U-Boot heißt, in Anlehnung an die Romane von Jules Verne, ‚Nautilos‘. Der Name steht für „nahezu selbstständiges injizierbares opto-fluidisches System“. Seine Aufgabe: Die Entdeckung und Vernichtung von Viren und Krebszellen, ganz ohne den Einsatz chemischer Medikamente. ‚Nautilos‘ soll das Blut seines Trägers ständig mit optischen Methoden untersuchen. Mit Hilfe eines Lasers, der sich neben dem kleinen Labor an Bord befindet, werden Viren und Krebszellen abgeschossen. Besondere Herausforderung bei der Entwicklung von ‚Nautilos‘ ist seine Größe. Das Mini-U-Boot benötigt drei Hauptbestandteile, die alle zusammen das Maß von 1 Millimeter nicht überschreiten dürfen: den Antriebs- und Kommunikationsstrang, das diagnostische und therapeutische System. Einige Bausteine für ‚Nautilos‘ gibt es bereits. Antriebs- und Navigationssysteme stehen dank Mikrosystemtechnik heute schon zur Verfügung. Die nächste Herausforderung: Die Wissenschaftler arbeiten daran, die Elemente weiter zu verkleinern. Das Herzstück von ‚Nautilos‘ ist die biomedizinische Diagnoseeinheit: dieses Labor auf dem Chip soll Viren und Krebszellen aufspüren. Es noch kleiner zu gestalten ist nun die zentrale Aufgabe der Entwickler. Augenblicklich könnte man, ausgehend vom aktuellen Forschungsstand, hoffen, dass ungefähr um das Jahr 2036 das erste Mini-U-Boot in einen menschlichen Körper zur Krebsdiagnostik und -therapie eingesetzt wird.

Über das Projekt gibt es auch ein kurzes Video des 3sat-Zukunftmagazins »nano – die Welt von morgen« unter www.youtube.com/watch

Weitere Informationen:
www.hs-karlsruhe.de/servlet/PB/menu/1090939/index.html
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Behandlung Lebensqualität


QUELLEN:

  1. ESMO Guidelines Working Group Prostate cancer: ESMO Clinical Recommendations for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol 2007;18(2):ii36–ii37.
  2. Heidenreich A, Aus G, Abbou CC, Bolla M, Joniau S, Matveev V, Schmid HP, Zattoni F. Guidelines on prostate cancer. European Association of Urology, 2007.
  3. American Cancer Society. Detailed Guide: Prostate Cancer, Hormone (Androgen Deprivation) Therapy. http://www.cancer.org
    Accessed 30 September 2008.